Jakob Heymann als Schoko-Dude unterwegs

Die Schaubude ist Freitagabend beim Konzert von Jakob Heymann brechend voll. Dies liegt vor allem dran, dass er sich im Januar beim Konzert von Götz Widmann als dessen Sidekick unheimlich gut verkauft hat. Mit seinen beiden Granaten-Songs „Schoko-Dude“ und „Lied 5“  hatte er die Massen bewegt und gleich reichlich Karten für seinen Solo-Gig in der Schaubude an den Mann bringen können.

Das Konzert

Und offensichtlich konnte er auch bei seinem Konzert letzten Freitag die Menge begeistern. Zeitgeist der 20+ er ist es wohl, ein wenig verstrahlt und ohne großen Plan ihr Leben zu chillen. Dass Jakob genau diesen Nerv trifft und sich entsprechend auf der Bühne präsentiert, wirft in mir die Frage auf, ob er wirklich so planlos ist oder ob er eine geniale Verkaufstechnik ausspielt.

Hier für alle noch mal ein kleines Beispielvideo.

Konzeptfrei und in loser Reihenfolge bietet er Songs, die er selbst offensichtlich nur in Teilen ernst nehmen kann, vernuschelt immer dann, wenn er selbst an den Punkt kommt, dass ihm die Nummer zu getragen, zu bissig, zu poppig oder überhaupt zu lang wird, einfach mal – ZACK – das Ende und wird dafür reichlich gefeiert. Nebenher auch besondere Stilmittel einzusetzen, die sich in vielleicht gerade noch im Comedy-Bereich sonst jemand zu nutzen traut, während des laufenden Loops von der Bühne zu gehen, plötzlich zu stimmmässig zu fisteln oder sich „zu verkleiden“ – das ist auf jeden Fall so unprätentiös liebenswert, dass ihm die Herzen aller zufliegen lassen.

Warum denn Liedermacher?

Am meisten bewegt mich persönlich die Frage, warum jemand, der offenkundig so gut singen kann, denn nun gerade im Liedermacher-Genre unterwegs ist und sich nicht als Singer-Songwriter oder Rapper ein vermutlich deutlich größeres Publikum erschließt. Musikalisch sowohl mit Loop Station seine eigene Band, kann er alle Genres störungsfrei bedienen und singt poppige Songs genau so gut wie Rap, Folkpop schließt sich an sarkastisch vorgetragenes Schlager-Liedgut (welches selbstverständlich ausschließlich als Referenzkatastrophen angestimmt wird) – alles fehlerfrei und auf den Punkt.

Die Inhalte – nunja, neben Cannabis- und Trinkliedern ist auch der eine oder andere Hochklassige Liedermacher-Song dabei – und letzere sind dann auch mit so spitzer Feder verfasst, dass ich mir dann doch das Booklet dazu wünschen würde.

Gefeiert habe ich den Abend auf jeden Fall – gute Unterhaltung hält eben auch ein wenig Genuschele aus …

 

Falk – mein persönliches Triple

Angedroht hatte ich es ja in der letzten Woche schon – hier nun der Konzertbericht und das Interview zu Falks Konzert-Stippvisite in Kiel. Wenn ich mir einen Künstler drei Jahre in Folge ansehe, dann scheine ich nicht nur begeistert zu sein – ich bin es!

Das Interview

Kuschelig backstage in der Schaubude haben wir uns vor dem Konzert zusammengehockt und ein wenig geklönt – über Tourleben, Beziehungen, Karriere und Perspektiven.

ICH: „Du bist jetzt das dritte Jahr in Folge auf Tour. In den letzten beiden Jahren bist Du ja vorrangig mit Götz Widmann unterwegs gewesen. Wie ist es denn nun solo unterwegs zu sein?“

FALK: „Es ist schon schön, jetzt ein volles Programm spielen zu können und nicht nur ein paar Songs am Abend wie vorher bei Götz als Support. Ich habe auch gute Erfahrungen gemacht, meist sind die Läden auch so voll – und manchmal bin ich dann eben intimer mit dem Publikum.“

ICH: „Wie schaut´s denn aus – kommst Du trotzdem dann und wann heim?“

FALK: „Ja, meist habe ich Sonntags bis Dienstags frei und bin dann zu Hause.“

ICH: (mal eben mit der Tür ins Haus fallend) „Als ich mir Deine neue Scheibe angehört habe, kam ich ja schon in Sorge um Dein Privatleben. Noch alles klar im Privatleben?“

Falk lacht: „Nicht jeder Song ist ja autobiografisch oder kurzfristig entstanden. Also keine Sorge, ich habe mich nicht getrennt oder bin unglücklich. Aber in der Vergangenheit hat mich schon die eine oder andere Exfreundin entrüstet angerufen und sich beschwert, wenn sie sich wieder erkannt hat.“

ICH: „Du hast ja in letzter Zeit Dein Publikum deutlich erweitern können.“

FALK: „Stimmt, ich trete jetzt vermehrt in Theatern auf, seitdem ich das Label „Musikkabarettist“ trage. Und Comedy mache ich jetzt auch mit „NightwaWash“, demnächst auch im Fernsehen. Wobei ich nichts anderes singe als bisher auch – nur dass ich natürlich die Songs nach Publikumskreis auswähle und während einer Comedy Show keine hochdepressiven Themen anschneide.“

ICH: „Wann machst Du denn die nächste Scheibe? Du bist da ja so regelmäßig wie ein Uhrwerk bisher.“

FALK: “ Ende des Jahres kommt ein Live-Album, für das ist bereits jetzt den einen oder anderen Live-Gig mitschneide. Die nächsten Monate konzentriere ich mich erst einmal auf meine Tour, dann werde ich neue Songs machen und sicher den einen oder anderen schon mal vorab auf Konzerten austesten.“

Dann habe ich nach längerer Pause noch mal meine Lieblings-Shorties ausgepackt.

Strandkorb oder Berge? Zuletzt eher Strandkorb – Berge sind aber auch schön. Aber niemals wandern!

Weißwein oder Dosenbier? Hm – kein Rotwein – dann Doesenbier

Blond oder braun? Ich nehme alles.

HSV oder St. Pauli? Dann St. Pauli (Falk ist Bremen-Fan)

Ostsee oder Mittelmeer? Mittelmeer

Prinzessin oder Piratin? Piratin

 

Das Konzert

Vorweg – das Konzert war dann eines der eher intimeren Art mit unter 50 Besuchern und nicht gerade vergleichbar mit Auftritten auf dem Nürnberger Bardentreffen, wo Falk schon vor 2000 Menschen gespielt hat. Aber auch bei dieser doch eher kleinen Schar hatte ich in keinem Moment das Gefühl, es wäre ihm weniger wichtig, seine Songs zu bringen und die jeweilige Botschaft unter die Leute.

 

Auch an Zugaben sparte er nicht – und wurde von den Anwesenden reichlich gefeiert, während er seine Lieder zwischen plakativem Spaß, pointierter Bosheit und treffenden Formulierungen sang.

Bunt gemischt aus seinen bisherigen Veröffentlichungen ging Falk auch auf Sonderwünsche des Publikums (ja auch mein Extrawunsch Torben wurde gespielt) ein. Und gefeiert habe ich mich am Freitagmorgen, als ich während einer Schulung dann das Zitat aus „Hinten kackt die Ente“ anbringen konnte, das mir irgendwie noch im Gedächtnis – wenn ich jetzt „klebte“, hört sich das sicher komisch an …

Natürlich kamen auch die Songs des neuen Albums „Skizzen“ nicht zu kurz, Falk ließ es sich nicht nehmen, doch etliche davon in seinem Programm vorzustellen. Und hey, das Album ist klasse und unbedingt kaufenswert (könnt Ihr auch hier nachlesen!)

Beim Live-Vortrag habe ich mich dann doch noch mal heftig in „Unsympath“ verliebt und Tränen gelacht.

Mein Fazit: Wer nicht da war, hat echt was verpasst und sollte sich schon mal Anfang nächsten Jahres rechtzeitig den Termin freihalten, es lohnt sich sehr.

 

Falk – Skizzen

Falk, Liedermacher und Kabarettist, bringt auf seiner Tour auch in diesem Jahr ein neues Programm – mit SKIZZEN macht er am 2. März in Kiel in der Schaubude halt.

Wo Ihr – nebenbei gesagt – auch unbedingt erscheinen solltet, um nicht einen wunderbaren Abend mit bös-bissigem Humor so richtig auf den Punkt zu verpassen. Neben den neuen Songs werden wir bestimmt auch das eine oder andere aus dem Repertoire seiner alten Songs zu hören bekommen. Ich melde jedenfalls schon mal „Thorben“ von der vorletzten Scheibe als einen meiner Lieblingssongs an.

Aber nun mal zu „Skizzen“:

Das Booklet mit kompletten Songtexten und Zeichnungen ausgestattet, hält damit bereits, was der Name der CD verspricht. Aber auch das, was jeder einzelne Song an Bildern malt, skizziert das Leben mit scharfer Zunge und das Wesentliche erfassend.

Dabei kann ich es mir gut vorstellen, wie er, leise grinsend, dem einen oder anderen Gespräch auf der Straße, im Café oder Hotel lauscht, um daraus für seine so treffenden Texte die Ideen zu pflücken .

Zumindest wünsche ich ihm natürlich, dass ihm so die Idee zu „Psychologin“ gekommen ist. Allerdings ist es – übrigens wunderbar instrumentiert – ein herrlicher Song, in dem er die Analysefreude nicht nur studierter Psychologinnen aufs Korn – und, verdammte Axt, ein klein wenig fühlte auch ich mich ertappt.

„Schulzeit“ stimmt dann eher nachdenkliche Töne an, die mich tatsächlich sehr in meine pubertären Jahre zurück versetzten. Ein Schwall von Sentimentalität schwappte über mich, allerdings nur bis zum „Männerclub“, das mir dann ein massives Grinsen aufs Gesicht  gab. „Wir scheißen auf Beweise, denn wir Wissens wirklich besser“ – „unser Input sind nicht Fakten sondern schlicht Testosteron“ – nur mal ein kleines Beispiel seiner wundervollen Fähigkeit, mit Worten genau den Punkt zu treten, genau so zu überziehen, dass es weh tut. Nicht zu vergessen hier die Instrumentierung, die Tuba skizziert mir hier eine Horde Glatzköpfe am Kneipen-Stammtisch – und das, obwohl sie eigentlich recht sparsam eingesetzt wurde.

Auch bei „Unsympath“ braucht es die Musik zum Text, um einen schönen Kontrapunkt zum Text zu setzen und damit jede Gemeinheit grinsend anzuhören und fröhlich im Takt mitzuschwingen, statt den Kopf zu schütteln. Und dann mit dem Kernsatz „Die Menschen brauchen Menschen, die sie tief und innig hassen“  auf des Pudels Kern und die Moral von der Geschichte zu kommen. Daran schließt er dann mit „So gehts nicht“ gleich an, in dem der Prinzipienreiter vom Dienst Grenzen zieht.

Aber auch ein Hauch von Liebeslied darf natürlich nicht fehlen – „Party“ lässt rote Herzchen fliegen und natürlich ertappe ich mich dabei, vergleichbare Situationen meines Lebens heraufzubeschwören.

Für das „Weihnachtslied“ ist es zwar nicht wirklich die richtige Jahreszeit – aber man soll ja rechtzeitig an Geschenke … äh … seine Lieben und den Nächsten denken. Treffsicherer auf die 12 geht es kaum. Und zum drüber Nachdenken, ob wir da alle mit unserer Art so richtig davor sind, ist IMMER die richtige Zeit.

Einen Hauch von funky-rappig kommt dann der nächste Song daher – „Schrecklich und gemein“ haut er mal so richtig böse die Pest an den Hals und nimmt es nicht zurück. Da wünscht man sich – jo, das würde ich gern auch mal so deutlich sagen, statt immer nur freundlich sein. Wobei – das bin ich sicher nicht.

„Von vorn“ setzt dann einen kurzen Schlusspunkt, klar und auf den Punkt die Antwort auf die Frage, ob man noch einmal in Kenntnis aller Dinge von vorn anfangen würde – Nö, weil was wäre dann mit den ganzen guten Dingen. Wobei – ich habe die Scheibe dann gleich noch ein zweites Mal von vorn angehört ….

Mein Fazit

Bösartigkeiten und Anregungen zum Nachdenken für jede Lebenslage, gepaart mit guter Unterhaltung. Also nix wie los und kaufen! Und natürlich am 2. in die Schaubude kommen, um sich persönlich vor Ort mit Falk zu amüsieren.

Moto – Caoua: Katapult in die 60er

Heute habe ich eine Empfehlung der besonderen Art für Euch – mit mit der EP Caoua der Berliner Band Moto liegt eine Scheibe in meinem Player, das mich vom ersten Song an ein wenig back to the roaring 60 wirft. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich erst einmal „nur“ die Scheibe in den Player gesteckt, um völlig unvoreingenommen an die Musik heranzugehen. Erst später bestätigt mich dann auch der Info-Text auf der Facebook-Seite, dass auch genau dies durch die fünf Berliner von Moto bezweckt ist.

Besonders  durch die französischen Texte (von denen ich als alter Lateiner leider null verstehe), kann ich mich aber voll auf den Klang und die eingesetzten Instrumenten konzentrieren. Ebenfalls besonders für mich, dass ich mich sofort  für die Stimme der weibliche Gesang von Svenja Wolter begeistern kann. Normalerweise bin ich ja insbesondere bei weiblichen Gesangsstimmen doch eher Freund von rauen Stimmen und ohne Wumms und Kratzigkeit schnell gelangweilt.

Aber diese Kombi von französischen Texten mit dem 60er Sound lässt vor meinem inneren Auge bunte Mini-Kleider, Tanz, Visionen von Goldie Hawn in „Die Kaktusblüte“ erscheinen und hey, auch einem gewisser Zwang, plötzlich noch mal in die Küche tanzen zu müssen, und mir einen Café au lait zu holen (für einen klassischen 60er Jahre Drink wie Wodka-Martini oder Manhattan ist es einfach noch zu früh).

Aber ich quassele und quassele hier, dabei wollt ihr doch was zur Scheibe selbst lesen.

Die Scheibe

Also konzentrieren wir uns mal auf das Wesentliche:

Sechs Songs, einer für mich so unaussprechlich wie der andere, mal abgesehen von Track 5 – Silent Bob kann ich .

Jeder Song für sich ist stimmig und hinterlässt ein gutes Gefühl, denn die Ausgewogenheit der einzelnen Instrumente und des Gesangs sprechen für sich.

Karma Karma, beginnt direkt mit einem kurzen E-Gitarren-Intro, dessen Riff sich auch wie ein roter Faden durch den Song zieht und sich ein wunderbares Wechselspiel mit dem Gesang liefert. Der im Laufe des Songs zwischen Beat und Ye-yé pendelnde Rhythmus hilft dabei, die Lebendigkeit des Songs zu unterstützen und zeigt, dass die Band etwas vom Songaufbau versteht.

Dies wird auch in den folgenden Songs deutlich, die warme, weiche Stimme von Svenja Wolter wickelt einen warm-wohlig ein, um dann mit leichtem lalalala um den Kopf herumzutanzen und dann, unterstützt durch die Instrumentierung den einen oder anderen Akzent zu setzen.

Schon nach den ersten beiden Songs stelle ich fest, dass die Scheibe genau die richtige Wahl für einen Sonntagnachmittag ist. Als mir dann noch ein Hammondorgel / Gitarren- battle geliefert wird, lacht sich Stefan neben mir auf dem Sofa schlapp, weil ich die Musik über Kopfhörer genieße und er nicht genau weiß, worauf ich eigentlich so abgehe.

Auch Allonge-toi als dritter Song nimmt mich mit – und so gerade packt mich einmal mehr das Bedauern darüber, dass ich wirklich nicht EIN Wort von dem verstehe, was gesungen wird. Mich beschleicht nämlich der Eindruck, dass die Texte sicher auch noch so einiges zu bieten hätten.

Mit La Fléche als viertem Song wird es etwas ruhiger und mit dem Bass-Intro auch ein wenig dramatischer. Melancholie tropft hier aus jeder einzelnen Note, und ohne etwas zu verstehen, gehe ich von einer unglücklichen Liebe aus, die hier betrauert wird. So überzieht mich eine leichte Gänsehaut, als das Keyboard-Solo seine Geschichte erzählt, dann und wann akzentuiert von kleinen Gitarreneinsprenklern, bis dann der Gesang das (vermutliche) bittere, traurige Ende besingt.

Aber die Scheibe wäre keine gute -ist sie aber! -, wenn der nächste Song einen nicht sofort aus diesem Tief wieder heraus reißen würde und mit reichlich Druck an Schlagzeug und Gitarre wieder Füsse und Hintern zum Wackeln brächte. Und das alles instrumental, wie Silent Bob auch bereits im Namen andeutet.

Caoua als instrumentaler Song beschließt dann die EP mit erneut ruhigen Klängen. Der Song ist auch hier instrumental angelegt, aber es befindet sich neben den Tracks auch noch ein Videoclip auf der EP, der mit gut drei Minuten länger angelegt ist.

Ich freue mich schon auf einen hoffentlich irgendwann erscheinenden Longplayer, um damit einen kompletten Sonntagnachmittag zu füllen.

 

 

 

 

 

 

Und von diesen echten Kneipen gibt es seit Dezember wieder eine mehr. Der HAFENJUNGE am Dreiecksplatz verspricht bereits vor dem Entern original Kieler Charme und kann dieses Versprechen bei genauerem Hinsehen voll und ganz erfüllen.

Kaum dass ich den Laden betrete, komme ich mit einem Paar ins Gespräch, die ganz begeistert von der Atmosphäre der Kneipe schwärmen. Man könne einfach mal nach der Arbeit hier einfallen, gemütlich 2 bis 3 Bier oder Wein trinken, käme mit völlig fremden Menschen ins Gespräch und fühle sich einfach wohl.

Das Drumrum

Als ich dann bis zum Tresen komme, fragt mich die gute Seele des Hauses, Willi, in unnachahmlicher Art „Was willst Du, Mädchen?“ Schon damit hat er mein Herz gewonnen. Echte Typen hinterm Tresen, wegen derer man die jeweilige Kneipe eigentlich besucht, das gibt es hier in Kiel nur noch in 2, 3 anderen Läden (bestes Beispiel das Hanging Garden in der Waitzstraße).

Und so ein vermeintlich bärbeißiger Ton gepaart mit viel Witz, da haben die beiden Besitzer echtes Glück gehabt, ihn zu finden – es macht den Eindruck, als wollte Willi nirgendwoanders sein und gehört exakt hinter diesen Tresen.

Klönschnack

Noch bevor ich überhaupt mein Gespräch mit Philipp begonnen hatte, war ich in den Laden und das Ambiente verliebt, insofern konnte ich nur noch versuchen, mit halbwegs klarem Kopf ein paar Dinge über meine neue fast-Lieblingskneipe (einziges Problem – keine Live-Musik) zu erfragen.

Philipp: Wir hatten schon länger die Idee, an dieser Stelle, wo jahrzehntelang die alte Bierstube Kneipenliebhabern ein zweites Zuhause geboten hatte, eine Kneipe aufzumachen. Nach dem kurzem Intermezzo einer Cha-Cha Bar hatten wir dann die Chance, den alten Geist von Gemütlichkeit noch mal aus den Wänden zu locken. Ende Oktober bekamen wir die Schlüssel, hauten denn einen ordentlichen Schlag rein und Anfang Dezember öffneten die Türen des HAFENJUNGEN.

Ich: Warum gerade eine Kneipe?

Philipp: Die Möglichkeit „einfach sein zu dürfen“, geht den meisten Läden heutzutage völlig ab. Genau das hat für uns aber Bedeutung, daher wollten Daniel und ich auch eine Kneipe, nicht mehr und nicht weniger. Einfach Mensch sein können, das ist uns wichtig. Daher wollten wir auch solche Dinge wie z. B. das Rauchen hier nicht verbieten. Das gehört einfach zur Gemütlichkeit dazu. Wobei mir das aktuell doch etwas schwer fällt, ich habe gerade mit dem Rauchen aufgehört (sprach und grinste)

Ich: Ihr habt Euch mit dem Erscheinungsbild reichlich Mühe gegeben, es gibt viele tolle Details zu sehen. Erzähl doch mal, was die Gäste hier erwartet.

Philipp: Wir spielen nicht einfach nur so irgendwelche Musik. Stattdessen gibt es eine Musik-Box, aus der man sich seine Lieblingssongs heraussuchen und abspielen lassen kann. An dieser Stelle kommt einer der Gäste, Gregor dazu, will eigentlich ein paar Biere bei Willi bestellen und mengt sich dann in unser Gespräch ein (und genau sowas finde ich großartig, das würde in kaum einer anderen Location so passieren). Er erzählt, dass er neulich auch vor der Box stand und so einiges an Songs beim Durchblättern wiederentdeckt hatte, die bei Ihm schon fast vergessen geraten waren.

Ich: Aber das ist ja noch nicht alles, ihr tut ja noch mehr, dass die Gäste sich wohl fühlen.

Philipp: Ja, wir möchten, dass man sich hier zu Hause fühlen kann. Daher haben wir auch an den Tischen verschiedene Spiele verteilt, um noch mehr Gemütlichkeit und Zusammensein zu ermöglichen.

Ich: Wie ist es denn um Eure Karte bestellt?

Philipp: Im HAFENJUNGEN wollen wir für alle etwas anbieten, sowohl für denjenigen, der ein ganz „normales“ gezapftes Pils will, aber auch für den Craft-Beer-Trinker. Die eine oder andere Flasche haben wir auch oben in der letzten Reihe des Tresens stehen, die bestimmten Stammgästen gehören.

Ich: Bei Euch gibt’s also vorrangig Bier und Schnaps. Auch was zu Essen?

Phillip: Nur was zu knabbern, wir bekommen vom Passader Backhaus Brotchips in Bioqualität, das muss reichen.

Ich: Habt Ihr denn noch mehr vor mit dem Laden?

Philipp: Das eine oder andere kleinere Event vielleicht, ab und zu mal jemanden mit einer Gitarre Musik machen lassen oder jetzt im Februar Karneval, das wird ja hier in Kiel nicht so wirklich gefeiert. Aber wir wollen eigentlich nicht, dass der HAFENJUNGE permanent brechend voll ist, uns ist wichtig, dass die Gäste sich wohl fühlen können.

Ich bin zu diesem Zeitpunkt ziemlich neugierig und frage Phillip das noch das eine oder andere Loch in den Bauch, erfahre dabei, dass er nicht nur der Besitzer des HAFENJUNGEN sondern auch der Fischbar ist und Mitveranstalter von „Rudi Rockt“, dem Koch- und Partyevent, das 2 x jährlich für einen guten Zweck in Kiel Kieler in fremden Küchen zum Kochen bringt und das dann mit einer mega Party endet.

Es gibt so Menschen, die eine gute Idee nach der anderen haben und dabei erfreulich auf dem Teppich bleiben. Diesen Eindruck habe ich auch in diesem Falle, denn so ganz nebenbei erzählt Phillip dann auch, dass er vorrangig in einem ganz normalen Job arbeitet und gerade frischgebackener Familienvater ist. Ich freue mich schon auf seine nächste gute Idee, um Kiel noch ein wenig schöner zu machen.

 

Ein paar harte Facts

Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr und so manches Mal bis vier Uhr morgens

Getränke holt man sich am Tresen

Rauchen gehört zur Gemütlichkeit dazu, ist also erlaubt

Spiele stehen im Laden zur allgemeinen Nutzung bereit

Musik zum selbst Aussuchen in der Musikbox

V8Wankers – 17 Jahre Rock´n Roll

Noch das Dröhnen im Ohr vom vergangenen Donnerstag sitze ich jetzt am Rechner und erinnere mich an das Konzert der V8wankers .Zusammengefasst ganz kurz und knapp in drei Worten: laut, geil, Spaß.

Aber natürlich kann ich auch ein wenig ausführlicher.

Die Band

Als erstes ein paar Takte zur Band. Die V8Wankers feiern genau an diesem Wochenende ihr 17-jähriges Bestehen. Gallionsfigur und Sänger Lutz Vegas ist der einzige noch von der Ur-Band übrig gebliebene Bolide des Rock´n Roll im Stile von Motörhead und Rose Tattoo. Er kann aber jederzeit mit seinen teils deutlich jüngeren Bandmitgliedern mithalten. Neu im Gepäck aktuell der Basser Marc, der definitiv nicht den Eindruck eines Neulings macht, so wie er sich in die Aktion der Band einfügt.

Die Show

Für mich als Fotografin war es sauschwer, ein paar Bilder zu erhaschen, die nicht verwackelt sind, denn die Jungs sind permanent in Bewegung, lassen sich voll und ganz von ihrer Musik mitreißen. Und hey, wenn dann eben mal der Monitor von der Bierkiste fällt, weil Gitarrist Luke sich BEIM Spielen in einer Vorwärtsrolle in den Tanzbereich des Publikums rollen lässt – hey, was solls …

Die Musik selbst – laut, geil, tanzbar – und zwar nicht nur so, dass man ein wenig mit dem Hintern wackelt, da wird der ganze Körper vom Magen aus in Schwingungen gesetzt. Die Songs reißen die 17jährige Bandgeschichte in Gänze auf, deutsche Songs aus der Zeit als V8wixxer genau so wie welche des allerersten Albums – und natürlich auch von der neuen Scheibe.

Und wenn Lutz auf der Bühne mal eben die Flasche Jacky an den Hals setzt zum Kehle befeuchten, gehört das zum Programm, genau wie das Teilen der Buddel mit dem einen oder anderen Hardcorefan, der sich garantiert im Publikum aufhält.

Alles in allem Spaß pur und Rock´n Roll, der mir wieder mal klar macht, dass man mit Geld eben noch lange nicht alles kaufen kann (außer vielleicht das Konzertticket)…die Leidenschaft für Musik, die hier gezeigt wurde, ist ein gutes Beispiel dafür.