image

Die unendliche Geschichte bunt …

In den letzten drei Jahren habe ich eine Band mit besonderem Herzblut begleitet, die Itzehoer Männer von MHOWL. Am Samstag, den 13.2. ist nun  die Releasparty ihrer neuen Scheibe bunt.

History

Die Jungs hatten in 2013 einen Blitzstart hingelegt, gegründet im Juli, war das erste Album mit den ersten 12 Songs bereits Ende des Jahres auf dem Markt. Die Songs flossen den fünf Jungs auch danach nur so aus der Feder, so dass die zweite Scheibe kaum ein Jahr später eingespielt werden sollte. Dann lief alles mögliche schief und nun haben wir Anfang 2016. Als jemand, der die Band regelmässig begleitet, konnte ich das Thema CD echt schon nicht mehr hören und glaubte auch  nicht mehr wirklich daran, dass sie noch irgendwann in diesem Leben fertig werden würde.

Als ich dann gefragt wurde, ob ich eine CD für ein Review haben wollte, war ich schon fast geneigt, dankend abzulehnen, weil ich das Thema echt leid war.

Trotzdem bekam ich dann das frisch gepresste Werk letztlich doch in die Finger und bereits beim ersten Song hatten mich die MHOWL-Männer wieder im Sack. Die Scheibe selbst sieht von außen sehr schick aus, Pappschuber mit Texteinleger. Dabei auf dem Cover und im Inlay tolle Bilder von Brainfood Photography, alles ein wenig düster aber sehr stylish, sehr passend zum Titel der Scheibe, „bunt“. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als die Fotos im eiskalten Marner Kino im Februar 2015 beim Videodreh zu „Schatten und Sturm“ erstanden.

Die Songs

Schon Ende 2013 gefiel mir der MHOWL-typische Sound mit der besonderen Kombination aus bluestypischer Slidegitarre von Frank Jürgensen gepaart mit dem lebendigen Stil von Alessio. Trotz im zweiten Album insgesamt poppiger angehauchtem Daherkommen ist dieser erhalten geblieben.

Auch die Rhythmusfraktion gibt weiterhin ihr Bestes – die Könner Hove Steen und Dieter Böswetter geben den 13 Songs auf der Scheibe einen wunderbaren Rahmen, in dem sich die Gitarristen und Sänger Stefan Petersen ausleben können.

image

Geboten werden Songs zwischen Liebe und Leid, Freundschaft und Abgrund, Gewinn und Verlust, Vergangenheit und Zukunft.

Treu geblieben ist sich die Band vor allem inhaltlich in dem, was in Ihren Texten passiert.

Es wird dem Volk aufs Maul, ins Herz und ins Schlafzimmer geschaut, wenn Songs wie Damit ich Dich besser fressen kann Typen ins Visier nehmen, die nur auf den ersten Blick cool, aber tatsächlich kleine Schleimer sind und sich mal eben von einer rassigen Rothaarigen inhalieren lassen. Der Einstieg bei diesem Song auch noch sehr blueslastig, während Schatten und Sturm, die erste Videoauskopplung des Albums eher poppig daher kommt und den Aufs und Abs des Lebens ein wenig Leichtigkeit verleiht.

Richtig harter Stoff kommt dann mit Das Mädchen auf den geneigten Zuhörer zu, denn Missbrauch und Rache, Hilflosigkeit und das Verlieren der Lebenslust werden hier musikalisch wundervoll umgesetzt und erzeugen Gänsehaut und einen feuchten Film in den Augen.

Mit Tempo geht es über Beim Teufel bezahlt und Keine Zeit im typischen Mhowl-Sound weiter, die Texte vor allem von Keine Zeit glänzen dabei mir präzisen Beschreibungen der heutigen Gesellschaft.

Persönlich wird dann der Song Ohne Dich, den Sänger Stefan Petersen für seinen besten Freund geschrieben hat, um danke zu sagen und die Ereignisse der letzten 40 Jahre einmal Revue passieren zu lassen. Und genauso persönlich geht es weiter. Das energiegeladene Ist das Romantik zeugt ebenfalls von deutlichen persönlichen Erfahrungen und lässt jeden – zumindest männlichen – Zuhörer arg schmunzeln, die weiblichen rollen dann eher mit den Augen und denken an ihren Liebsten daheim, der sich genau so verhält wie der Typ in dem Song. Erfreulich für uns Frauen, dass Petersen hier ein wenig Erkenntnis gewonnen hat und diese auch unter die Herren der Schöpfung bringt mit diesem Lied.

Für mich die beiden eigentlich stärksten Songs des Albums, Cowboy und Dorfidylle, sind bei den Arrangements leider nicht so gut weggekommen, wie ich es mir erhofft hätte. Textlich wiederum großes Kino, lässt hier in Teilen der Einsatz der Instrumente und die gesangliche Umsetzung etwas zu wünschen übrig.  Dorfidylle hätte eine deutlich bedrohlichere, aber auch sparsamere Instrumentierung verdient, um den Nöten des Sängers ausreichenden Raum zu lassen und das Publikum die Enge auch wirklich fühlen zu lassen.

Cowboy hingegen hätte ein Kontrapunkt zum lonesome Cowboy gut getan, und es wäre sicher eine Erfrischung für die Ohren der Zuhörer gewesen, dort eine lebhafte Abwechslung zu erfahren.

Versteht mich nicht falsch, es sind beides großartige Songs, auch so wie sie sind, aber ich persönlich hätte sie mir einfach anders gewünscht, um das beste aus ihnen heraus zu holen.

Damals wiederum findet als letzter „offizieller“ Song des Albums (Achtung hidden track!) noch einmal den Dreh, mich an wundervolle vergangene Zeiten zu erinnern und transportiert die Leichtigkeit zwischen Dolomiti-Eis und James Rockford schon durch die Noten.

Fazit

Kaufen! Auf jeden Fall!  Denn – deutscher Blues-Rock mit Popsprenkeln in dieser Qualität, das findet ihr sonst nicht. Mhowl, ihr dürft weiter mein Herzblatt sein <3 3 <3

Und eins noch … Geht zum Konzert am 12.02. in der Itzehoer Lauschbar!

 

Ein Gedanke zu „Die unendliche Geschichte bunt …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *