Sittenstrolch – Götz Widmann unterwegs

Götz Widmann jagt einmal mehr kreuz und quer durch die Republik – im Gepäck diesmal sein neues Programm „Sittenstrolch“. Auch mit seiner gleichnamigen neuesten Scheibe nimmt Götz Widmann einmal mehr das tägliche Leben in Deutschland mit spitzer Feder und bösem Mundwerk aufs Korn. Am Freitag ab 20 Uhr ist er in der Kieler Pumpe.

Natürlich erwartet einen hier ein Liedermacher mit leicht schnodderigem Sound und kein  Singer-Songwriter mit glasklarer Stimme.

Die Scheibe

Latina – mit fröhlichem hawaiianischem Sound wird die deutsche Einwanderungspolitik und ihre Auswirkungen im Ukulelenstyle aufs Korn genommen. Weil ja wesentlich mehr junge Männer als ledige Ladies humanitäre Hilfe beanspruchen,macht er sich deutlich Sorgen um seine Chancen bei den Damen – herrlich. Mehr – müsst ihr selbst hören.

Mit Jackpot im Ska-Rhythmus tanzen wir uns auf der Couch liegend vor der Flimmerkiste geistig frei und freuen uns des Lebens. Schildkröten und National Geographic helfen uns dabei. Wortgewaltig und derbe auf den Punkt kann ich mir auch hier ein fettes Grinsen so gar nicht verkneifen.

So richtig böse wird es dann im harmlosen lalala-Sund mit Femina Superflower. Die Nacht, in der all seine Freunde durch synthetisch verändernde Drogen zu wunderschönen Frauen werden. Mal sehen, ob ich die Bilder heute Nacht noch los werde. Was passiert? Nun ja, Mann stellt fest, das Leben als Frau ist einfach besser und will mehr – einfach mehr. Götz Widmann malt hier Bilder mit Worten, einfach Porno.

Doch Digitaler Burnout mit treibendem Sound schubst einen sofort ins nächste Thema – Finger weg vom Smartphone ist einfach nicht mehr möglich. Und wieder trifft Widmann auf die 12, beschreibt damit das aktuelle Lebensgefühl vieler Menschen.

Bezaubernde Burkiniqueen im Sommer in Berlin ist dann Erholung für die Ohren und beschreibt die romantische Verklärung gegenüber einer angenehm verhüllten jungen islamischen Frau mit allen Konsequenzen so, dass man die Herzchen geradezu fliegen sieht – und damit jede konfessionelle Verwicklung völlig gleichgültig wird.

Da will ich sein  ist dann ohne jede Ironie – ein echtes Liebeslied. Schön. Das gibt neben der vollen Punktzahl in Sachen Liebe noch mal 20 drauf für das auch sagen können. Ich hoffe, seine Lady honoriert das entsprechend *lach*

Durchdrehn gibt dann den Punk – soundmässig etwas cruel, aber nach Da will ich sein muss wohl die Zuckerwatte wieder aus den Ohren gepustet werden – insofern perfekt positioniert, bevor dann mit Der Fuchs und der Pfau eine echte Liedermacher-Parabel gespielt wird. – die Moral von der Geschicht – gefressen wirst du trotz aller Schlauheit nicht – nicht.

Männer ab 50 sind die besten – im Frauen glücklich machen – auch die jungen. Eine Lobpreisung auf Erfahrung des reifen Mannes – und Einladung zum Test selbiger. Dieser Song rührt sicher ein ganzes Stück mit daher, dass Götz Widmann selbst gerade die Grenze zur 50 überschritten hat. Der zweite oder dritte Frühling bricht dann bei mehr als einem aus – und die hier aufgegriffene Argumentation habe ich auch schon mehr als einmal gehört.

Den Abschluss bildet im indischen Style Hindhu – auch hier geht es um den Mann über 50. Allerdings den, der bereits sittlich gereift nicht mehr von 21-jährigen Titten träumt, sondern gern auf alle Zwänge scheißen würde. Und he, auch dieses Lebensgefühl kann ich gut nachvollziehen. 50 ist schon ein krasser Sprung – ich denke mal, Götz Widmann hat ihn gemeistert und ist sich dabei treu geblieben.

Mein Fazit

Die Scheibe ist genau richtig für all diejenigen, die keine Lust auf 08/15 seichte Musik haben sondern sich fernab des Klischees mit derben, guten Texten auseinandersetzen mögen. Und sich nicht von genau so derben Tönen verschrecken lassen. Sondern es lieben, wenn jemand auf den Punkt wunderbar formuliert wie Götz Widmann es tut.

 

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