Was geht am Nordpol Süd??? Musik und Veranstaltungen zwischen Kiel und Hamburg

Hier ist nicht Hollywood – der Norden mag´s ehrlich

Wer meine Artikel häufiger liest, der weiß, dass ich höchst selten mal eine negative Konzertkritik schreibe. Manchmal muss es allerdings sein – wie beim gestrigen Konzert von Erik Cohen.

Vorweg erst einmal ein paar positive Dinge. Die instrumentalen Musiker waren auf den Punkt und qualitativ echt klasse. Die Songs von Erik Cohen haben nach wie vor haben einen guten Aufbau und die Melodien sind eingängig. Toller Drummer, klasse Basser und ein Gitarrist, der brillierte.

       

Der Orange Club war brechend voll, ausverkauftes Haus und jede Menge netter Leute an Bord. Ich hatte an diesem Abend viel Spaß. Leider hatte das nix mit der Musik zu tun.

Frustration Dein Name ist …

Ich bin sicher,  ihr kennt das, wenn ihr etwas mögen wollt, aber genau wisst, dass da irgendwas verdammt noch mal nicht stimmt. So gar nicht stimmt. Und das versaut Euch letztlich doch den Abend, auch wenn alles ansonsten cool ist. Und das war in diesem Fall Erik Cohen selbst.

Anfangs stand ich vorn an der Bühne, mitten unter den Holstein Fans, die etwa die Hälfte der Konzertbesucher ausmachte. Da war dann zumindest ein wenig Party, wenn auch bei weitem nicht so viel, wie ich es von anderen Holstein-Bands wie den Denkedrans (qualitativ eigentlich nicht wirklich vergleichbar, aber die Jungs haben so richtig fett Spass auf der Bühne) so kenne.

Ein wenig wie Popeye nach zu viel Spinat turnte Erik Cohen über die Bühne, mit Sonnenbrille und Mütze ganz im Hipster-Style und Vollbart. „Echt“ künstlich. Und das war leider sehr lange so – der Funke zum Publikum sprang so einfach nicht recht über. Und das trotz vieler Songs, die in der Vergangenheit so richtig fett abgekultet wurden, auch von mir. Wenn ich dran denke, wie oft ich z.B. Kapitän, Kosmonaut, Treue Herzen und Hollywood, um nur einige der Songs zu nennen, mitgesungen habe und auswendig konnte, dann macht mich das irgendwas zwischen frustriert und traurig, weil sie mich nicht erreichen konnten.

Wo wir schon bei Frustration sind, für mich ist an Musik so besonders, dass sie Ehrlichkeit vermittelt. Und die fehlte mir doch sehr. Etwas fassungslos war ich dann, als Erik Cohen salbungsvolle Worte über ein paar verstorbene Fans abließ und ihnen ein drei Songs widmete. Die Namen allerdings in die Hand geschrieben hatte und sie ablesen musste, obwohl er in seiner Ansprache so tat, als würde er sie ganz gut gekannt haben. Und dann noch ohne Aufforderung seiner Bandkollegen einen dieser Widmungs- Songs vergessen hätte.

Ich bin nun wahrlich kein Perfektionist, klar kann man Namen vergessen und ebenfalls klar kann man auch als Frontmann einer Band einer gewissen Nervosität unterliegen. Aber das ging für mich gar nicht.

Bei nur einem einzigen Song – dem letzten des Abends – bekamen alle dann doch ein „Gutes Gefühl“ – bezeichnenderweise waren dann auch Mütze und Sonnenbrille nicht mehr nötig.

Auch wenn ich heute auf Facebook so einige Kommentare gelesen habe „geiles Konzert“, „voll der Hammer“ und ähnliches, waren zumindest die meisten Leute, mit denen ich direkt nach dem Konzert gesprochen hatte, im persönlichen Gespräch eher anderer Meinung.  Nämlich meiner …

 

 

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