Was geht am Nordpol Süd??? Musik und Veranstaltungen zwischen Kiel und Hamburg

Anne Clark – I´ll walk out into tomorrow

Gestern war ein toller Abend unter dem Label „zurück in die Vergangenheit“.  Meine alte Freundin Maike – wir kennen uns schon über 30 Jahre und haben damals in unserer ersten WG zusammen gewohnt, und ich waren erst schön essen und dann im Kino. Das ist ja per se erst mal noch nichts, wozu sich ein musikalischer Blogartikel verfassen ließe, aber der Film war ein besonderer und brachte uns zurück zu unseren musikalischen Wurzeln der 80er, in denen Wave bei uns die bevorzugte Musikrichtung war.

Und dank Regisseur Claus Withopf konnten wir einen Film sehen, in dem das Schaffen DER Wave Königin der Herzen aus Süd-London (Croydon)gezeigt wurde. 1983 ließ ich mir genau so einen Haarschnitt machen wie Anne Clark, weil sie so anders schien als alle anderen weiblichen Stars. Aber genug der Vorgeschichte …

Filmfacts

Offensichtlich war Anne Clark aber nicht nur eine meiner Heldinnen, sondern auch die von Claus Withopf. Der war gestern Abend live bei der Kieler Premiere des Films dabei und stellte sich den Fragen des Publikums im bis zum Rand gefüllten Kinos.

 

Hier die Facts, die er zum Film preisgab:

  • Er brauchte über 10 Jahre von der ersten Idee bis zum fertigen Film. Der – mit Verlaub gesagt – aber auch eine ganz wundervolle Hommage an eine großartige Künstlerin geworden ist.
  • Anne Clark konnte er am Rande eines Konzertes in Brüssel 2006/2007 für seine Idee eines Films über sich begeistern. Die filmischen Arbeiten kamen dann auch erst einmal in Deutschland ins Rollen, wo Anne Clark damals durch ihre Arbeit mit vorrangig deutschen Musikern in Leipzig an einem Studioalbum werkelte. Später hat Claus Withopf dann unter anderem die Europa-Tournee, das Mera Luna 2008 und abschließend das Fusion Konzert vor 3 Jahren gefilmt. Und natürlich immer wieder Anne Clark persönlich im Gespräch – beim Schreiben, in ihrer Heimat …
  • Gefördert und unterstützt wurde der Film von der Hamburger Filmförderung, aber auch von der Kieler Filmwerkstatt, nachdem er anfänglich auf eigene Kappe versucht hatte, seine Idee des Films umzusetzen. Er wollte jedoch einen Kinofilm und keine TV-Dokumentation abliefern – die ihr übrigens noch die nächste Zeit im Kino sehen könnt und ab dem nächsten Herbst absehbar auf DVD erwerben könnt.
  • Anne Clark ist aktuell auch zum Anlaufen des Films in Deutschland unterwegs, kann jedoch leider nicht jede Station mitnehmen, da sie wegen eines Meniskus-Schadens auf Krücken läuft.
  • Claus Withopf befindet sich jetzt bereits in Planungen zu einer weiteren Dokumentation über eine der starken Frauen des Musikgeschäfts – Lori Anderson. Die soll dann allerdings doch etwas schneller fertig sein …

Ein ganz besonderes Schmankerl zum Schluss – heute läuft auf FluxFM in der Sendung Ohrspiel eine Stunde Sendezeit mit Anne Clark – und einer ihrer gerade neu entwickelten Songs wird dort zu hören sein. Also Einschalten! Heute! 19-20 Uhr!

My Mind

Natürlich will ich auch noch ein paar Worte zum Inhalt des Films verlieren. Claus Withopf ist es gelungen, mit diesem Film und insbesondere auch mit der Art seines Erzählstils das herauszuarbeiten, was die Musik von Anne Clark so besonders macht. Die Poesie verschmilzt mit der Komposition zu einem Gesamtkunstwerk, dessen beide Komponenten sich unterstreichen und beflügeln. Durch den visualisierten Schwerpunkt auf ihren Lyrics wird dies noch besonders bewusst.

Ganz großartig finde ich auch die Art und Weise der Fokussierung auf die Künstlerin selbst, kein störender Dritter, der seine Meinung über sie ablässt. Stattdessen wird sie selbst in den Fokus gestellt, so dass man fast den Eindruck einer Autobiografie gewinnen kann. Und sie ist so offen in ihrer Darstellung, ohne mit ihrer teils schweren Jugend auch nur einen Hauch rührselig zu wirken. Mein Herz ging dabei noch einmal besonders auf für ihre Haltung und ihren Stil, irgendwie fühlte ich mich dabei so weit im Nachhinein noch einmal bestärkt darin, sie als eine der Heldinnen meiner Jugend auserkoren zu haben. Mal abgesehen von der großartigen Musik, die natürlich mit ihrer Person verbunden ist.

Ihr besonderer Bezug zu Deutschland und ihre beinahe Abkehr von der Musik waren mir nicht bewusst, die Art der Darstellung im Film gerade auch mit den Bildern aus Norwegen sehr stimmig, geradezu poetisch. Wie ihre Texte.

Das Studio Filmtheater

Natürlich sollte sich nun unbedingt jeder diesen Film ansehen, ob er nun in früheren Jahren oder bis heute Wave Fan ist. Denn nicht nur dass der Film großartig ist, auch das Kino, in dem er gezeigt wird, sollte so weit es geht unterstützt werden. Dennis und Matthias vom Studio Filmtheater haben es geschafft, dieses Kino zu einer echten Perle im Norden zu entwickeln. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als mich die beiden damals voller Enthusiasmus durch die Baustelle ihres gerade frisch gepachteten Kinos führten und dafür brannten, dort etwas richtig Tolles auf die Beine zu stellen. Und das ist ihren dann in den letzten Jahren auch gelungen – gerade jetzt wieder einmal sichtbar, da der Norden eben nicht mehr in Hamburg aufhört sondern tatsächlich Kiel als eine Metropole wahrgenommen wird. Danke auch dafür!

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