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Moto – Caoua: Katapult in die 60er

Heute habe ich eine Empfehlung der besonderen Art für Euch – mit mit der EP Caoua der Berliner Band Moto liegt eine Scheibe in meinem Player, das mich vom ersten Song an ein wenig back to the roaring 60 wirft. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich erst einmal „nur“ die Scheibe in den Player gesteckt, um völlig unvoreingenommen an die Musik heranzugehen. Erst später bestätigt mich dann auch der Info-Text auf der Facebook-Seite, dass auch genau dies durch die fünf Berliner von Moto bezweckt ist.

Besonders  durch die französischen Texte (von denen ich als alter Lateiner leider null verstehe), kann ich mich aber voll auf den Klang und die eingesetzten Instrumenten konzentrieren. Ebenfalls besonders für mich, dass ich mich sofort  für die Stimme der weibliche Gesang von Svenja Wolter begeistern kann. Normalerweise bin ich ja insbesondere bei weiblichen Gesangsstimmen doch eher Freund von rauen Stimmen und ohne Wumms und Kratzigkeit schnell gelangweilt.

Aber diese Kombi von französischen Texten mit dem 60er Sound lässt vor meinem inneren Auge bunte Mini-Kleider, Tanz, Visionen von Goldie Hawn in „Die Kaktusblüte“ erscheinen und hey, auch einem gewisser Zwang, plötzlich noch mal in die Küche tanzen zu müssen, und mir einen Café au lait zu holen (für einen klassischen 60er Jahre Drink wie Wodka-Martini oder Manhattan ist es einfach noch zu früh).

Aber ich quassele und quassele hier, dabei wollt ihr doch was zur Scheibe selbst lesen.

Die Scheibe

Also konzentrieren wir uns mal auf das Wesentliche:

Sechs Songs, einer für mich so unaussprechlich wie der andere, mal abgesehen von Track 5 – Silent Bob kann ich .

Jeder Song für sich ist stimmig und hinterlässt ein gutes Gefühl, denn die Ausgewogenheit der einzelnen Instrumente und des Gesangs sprechen für sich.

Karma Karma, beginnt direkt mit einem kurzen E-Gitarren-Intro, dessen Riff sich auch wie ein roter Faden durch den Song zieht und sich ein wunderbares Wechselspiel mit dem Gesang liefert. Der im Laufe des Songs zwischen Beat und Ye-yé pendelnde Rhythmus hilft dabei, die Lebendigkeit des Songs zu unterstützen und zeigt, dass die Band etwas vom Songaufbau versteht.

Dies wird auch in den folgenden Songs deutlich, die warme, weiche Stimme von Svenja Wolter wickelt einen warm-wohlig ein, um dann mit leichtem lalalala um den Kopf herumzutanzen und dann, unterstützt durch die Instrumentierung den einen oder anderen Akzent zu setzen.

Schon nach den ersten beiden Songs stelle ich fest, dass die Scheibe genau die richtige Wahl für einen Sonntagnachmittag ist. Als mir dann noch ein Hammondorgel / Gitarren- battle geliefert wird, lacht sich Stefan neben mir auf dem Sofa schlapp, weil ich die Musik über Kopfhörer genieße und er nicht genau weiß, worauf ich eigentlich so abgehe.

Auch Allonge-toi als dritter Song nimmt mich mit – und so gerade packt mich einmal mehr das Bedauern darüber, dass ich wirklich nicht EIN Wort von dem verstehe, was gesungen wird. Mich beschleicht nämlich der Eindruck, dass die Texte sicher auch noch so einiges zu bieten hätten.

Mit La Fléche als viertem Song wird es etwas ruhiger und mit dem Bass-Intro auch ein wenig dramatischer. Melancholie tropft hier aus jeder einzelnen Note, und ohne etwas zu verstehen, gehe ich von einer unglücklichen Liebe aus, die hier betrauert wird. So überzieht mich eine leichte Gänsehaut, als das Keyboard-Solo seine Geschichte erzählt, dann und wann akzentuiert von kleinen Gitarreneinsprenklern, bis dann der Gesang das (vermutliche) bittere, traurige Ende besingt.

Aber die Scheibe wäre keine gute -ist sie aber! -, wenn der nächste Song einen nicht sofort aus diesem Tief wieder heraus reißen würde und mit reichlich Druck an Schlagzeug und Gitarre wieder Füsse und Hintern zum Wackeln brächte. Und das alles instrumental, wie Silent Bob auch bereits im Namen andeutet.

Caoua als instrumentaler Song beschließt dann die EP mit erneut ruhigen Klängen. Der Song ist auch hier instrumental angelegt, aber es befindet sich neben den Tracks auch noch ein Videoclip auf der EP, der mit gut drei Minuten länger angelegt ist.

Ich freue mich schon auf einen hoffentlich irgendwann erscheinenden Longplayer, um damit einen kompletten Sonntagnachmittag zu füllen.